Das Leiden des Martin K.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ob sie es überhaupt live miterlebt haben, aber ich bin immer noch geschockt. 10 Schläge Vorsprung bei noch 14 zu spielenden Löchern. Eine sichere Sache … oder?

Weit gefehlt. Wer hätte gedacht, dass ein Profi, der den lieben langen Tag nichts anderes macht als Golfspielen so einbrechen kann. Woran hat es wohl gelegen? War er sich zu sicher? Hat die Spannung gefehlt? Wir wissen es nicht. Er vermutlich auch (noch) nicht.

In meiner kleinen unbedeutenden Golfwelt hatte ich auch mal eine ähnliche Situation. Ich lag weit vorne und plötzlich habe ich keinen einzigen Ball mehr getroffen. Kurze Putts lagen danach weiter weg als vorher. Ich hätte im Boden versinken können. Ich konnte nicht fassen, dass so etwas geht. Ich hatte das Gefühl, ich bin der größte Idiot in ganz Mitteleuropa.

Jetzt bin ich es nicht mehr 😉 So leid es mir für Martin Kaymer tut, so sehr können wir alle für solche Situationen nur dankbar sein. Ähnlich wie der 4 Putt von Rory McIlroy zeigt es uns erneut, dass auch auf höchstem Niveau sich alles zwischen den Ohren abspielt und dass selbst mental gut trainierte Golfer vor solchen Situationen nicht gefeit sind.

Was wird er tun? Aufstehen, analysieren, verarbeiten, weiter machen. Im Interview danach sagte er, dass er darauf aufbauen kann, dass er drei Tage lang tolles Golf gespielt hat.

Was soll er auch sonst sagen. Er wird die Tage bis dahin mentale Unterstützung von allen Seiten bekommen. Und wir? Wir stehen auch auf und machen weiter, weil wir einfach ohne nicht können. Nur jetzt ist es noch einfacher danach oder vielleicht sogar schon währenddessen wieder auf den richtigen Weg zu finden, denn jetzt können wir getrost nach der Runde einen ausgeben und erneut sagen: Das passiert sogar den Besten!

Gibt es ein Leben neben dem Golf?

So langsam wird es zäh. Wenn man im Oktober die Golfklamotten wegstellt, freut man sich zunächst endlich mal wieder auf ein freies Wochenende. Nicht-Golfende Freunde kennen bereits den rasanten Anstieg der Kontaktversuche und man stellt fest, dass es durchaus auch ein Leben neben dem Golf gibt. Zumindest im November und auch noch im Dezember, da lenkt die Weihnachtszeit den Fokus auf Freunde und Familie.

Doch dann kommt der Januar. Kein Fußball im Fernsehen, stattdessen aber der Saisonstart der neuen Golf-Profi-Touren. Bilder aus Südafrika, Dubai und Amerika flattern über den Fernseher oder sind in den Online-Golf-Berichterstattungen zu sehen. Strahlender Sonnenschein, tolle Plätze, fantastisches Golfspiel … und so langsam beginnen die Entzugserscheinungen: es wird darüber nachgedacht bereits bei leichten Plus-Graden vielleicht doch mal ein Ründchen auf dem hiesigen Kurs zu drehen; Schläger und Schuhe werden sicherheitshalber schon mal geputzt und vorbereitet; die Tipps der Golfmagazine und des unter dem Weihnachtsbaum gelegenen Golfbuchs werden verinnerlicht; der Wetterbericht wird genaustens hinsichtlich der diesjährigen Wärmeentwicklung studiert; Freunde werden nicht mehr rechtzeitig kontaktiert, könnte ja vielleicht doch noch bisschen wärmer werden am Wochenende; Urlaube werden nach Wettspielkalender geplant; Möbel werden umgestellt, Lampen werden geschützt, um das Wohnzimmer zu einer Übungsanlage umzugestalten;

Gesteigert wird das Ganze noch durch die völlige Unsicherheit, ab wann man endlich wieder richtig loslegen kann. Nur ungern erinnern wir uns an den ewigen Winter 2013, als Ostern noch Schnee auf den Plätzen lag.

Der Januar ist für normale Menschen schon ein Graus – aber erst Recht für Golfer. Wer es sich leisten kann, fliegt noch einmal ins Warme, um sich schon mal auf die Saison vorzubereiten. Andere sind ihren Entzugserscheinungen die nächsten Monate hilflos ausgeliefert. Auch die Indoor-Golfhalle kann hier nur temporär helfen, ganz im Gegenteil: im Grunde genommen macht sie Lust auf mehr.

Und was kann hier helfen? Ein Sonnentanz, Anruf beim Wettergott, noch mehr Bälle in der Indoorhalle hauen, Konfrontationstherapie durch Golf-im-Fernsehen-schauen, das Wohnzimmer zur Übungsanlage umbauen?

Was soll ich sagen: Ich hab keine Ahnung! Meine Strategie ist derzeit arbeiten, arbeiten, arbeiten, um vielleicht irgendwann die Wintermonate in warmen Golfländern verbringen zu können 😉

Wer das jetzt liest und denkt „Die Golfer sind doch total bekloppt!“ hat völlig Recht. Daher möchte ich auch diesen nicht ganz so ernst gemeinten Artikel mit einem Zitat von Hught Grant abschließen: „Es hat mein Leben endgültig ruiniert. Es gibt ganz wenige goldene Regeln im Leben, aber eine davon ist: Spiele nie Golf. Wenn dein Kind einen Schläger in die Hand nimmt, entreiße ihm sofort den Schläger. Dieser Sport ist gefährlicher als Drogen. Also: Just say no!“.

Vorsatz: Have fun on the course!

Das Jahr 2014 ist vorüber und bestimmt hat sich der ein oder andere schon ehrgeizige Ziele für das nächste Jahr gesetzt, sicherlich auch in Bezug auf sein Golfspiel. Mehr Training? Ein bestimmtes Handicap? Mehr Turniere spielen? Auch ich habe an Weihnachten um ein Essen gewettet, welches Handicap ich nächstes Jahr haben werde. Aber ganz ehrlich: Eigentlich ist das doch totaler Quatsch.

Zur Erinnerung: Golf ist zumindest bei den meisten von uns ein Hobby. Ein schöner Zeitvertreib mit Freunden an der frischen Luft auf ggf. tollen Plätzen, eine Aktivität zum Runterkommen vom (Arbeits-)Alltag und zum Genießen. Doch jeder von uns hat es sicherlich schon mal im Turnier oder auch in einer Privatrunde erlebt: Man trifft nix, Rough und Wasser schlucken die Bälle und zu allem Übel lipt auch noch jeder Putt aus. Und zack ist die gute Laune dahin. Aber Moment mal, was war noch mal das Ziel unseres Hobbys? Zeitvertreib? Frische Luft? Tolle Plätze genießen? Runterkommen vom Alltag? Stimmt ja. Eigentlich sollte der Score bei einem Hobby nicht an erster Stelle stehen. Klar macht auch der Score und das Handicap den Reiz des Golfspiels aus, aber wenn es mal nicht läuft, sollte man sich wieder auf die anderen Dinge konzentrieren. Die Dinge wegen denen man dieses Hobby auch noch ausübt. Schließlich ist eine Golfrunde meist recht lang und viel zu schade, um die Zeit mit Rumgenörgel zu verschwenden.

Daher mein Vorsatz für 2015: Genieße jede Runde, die Du auf dem Platz stehst! Sicher wird mir das nicht jede Runde gelingen, aber wenn es so leicht wäre, dann hätte ich das bisher ja auch schon so gemacht. Ich habe mir vorgenommen, wenn es nicht so gut läuft, einfach mal ein paar für mich untypische Schläge auszuprobieren: einen Lob-Shot oder mal den Driver vom Fairway hauen oder bewusst versuchen abwechselnd Draw und Fade zu spielen. Einfach die Dinge mal anders machen, als man sie sonst macht. Mal einen ungewöhnlichen Schlag wagen. Ich bin mir sicher, wenn nur einer von den Zauberschlägen auf dem Platz dann klappt, ist die ganze Runde gerettet. Das kann sich auch auf die Spieltaktik beziehen. Man könnten zum Beispiel zum Chippen üben absichtlich versuchen, das Grün nicht zu treffen oder die Abschläge ins Rough zu hauen, um schwierige Lagen zu trainieren. Ein weiteres meiner Ziele bei der Erfüllung meines Vorsatzes ist es, mich zumindest immer auf meinen Lieblingsschlag, den Drive, zu freuen. Auch wenn er gerade vielleicht nicht ganz so gut funktioniert, einfach mit Freude an die Sache rangehen. Schließlich geht es bei uns maximal um die Anerkennung im Flight oder auf der Clubterrasse, Geld müssen wir glücklicherweise damit nicht verdienen. Der Spaß sollte im Vordergrund stehen.

Was sind Ihre Vorsätze für das Golfspiel im neuen Jahr? Vielleicht wäre das ja auch für Sie noch ein weiteres Ziel. Schlechter kann es das Golfjahr in jedem Fall nicht machen, man kann nur gewinnen. Ich werde Ende der Saison berichten (oder ggf. auch schon mal zwischendrin) wie es mir gelungen ist. Wenn Sie von Ihren Erfolgen berichten möchten, schreiben Sie mir.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall ein tolles (Golf)Jahr, mit ganz viel Spaß und Freude auf dem Platz!