Warum Jordan Spieth das Masters verlor

Ich musste das Masters erstmal ein paar Tage sacken lassen, bevor ich mich dem Thema hier widmen konnte. Erstens kämpfte ich noch ein wenig mit dem Schlafentzug und zweitens war ich einfach immer noch fassungslos von dem was da am Sonntag Nacht passiert war. Eigentlich schreibe ich auch nicht gerne über vergangene Turniere, das können Sportjournalisten und andere Blogger viel besser als ich. Dieses Masters war jedoch wieder mal so besonders, dass es es einfach Wert ist, darüber auch noch den hundertsten Bericht zu verfassen:

Nach 9 Loch schon ins Bett?

Nach einem langen Mittagsschlaf war ich also am Sonntag Abend bereit, den Kampf gegen den Schlaf aufzunehmen. Die ersten Löcher verliefen noch weitgehend unspektakulär, bis Spieth dann begann sein Birdie-Feuerwerk zu zünden. Nach 9 Löchern war ich also fast soweit, den Fight aufzugeben, so sicher war ich mir, dass Jordan Spieth das nach Hause bringen wird. Aber das Masters ist eben das Masters und auf kaum einem anderem Platz wie diesem gilt: abgerechnet wird zum Schluss.

Die Situation auf dem Platz

Nochmal zusammenfassend die Situation: Jordan Spieth, von Beginn an Führender des Turniers, ging mit einem Schlag Vorsprung vor dem zweiten Smiley Kaufman und 3 Schlägen Vorsprung vor dem späteren Sieger Denny Willet auf die letzte Runde. Mit zunächst einigen Up and Downs spielte er dann die Löcher 6, 7, 8 und 9 Birdie und baute so seinen Vorsprung auf 4 Schläge vor dem Verfolger Willet aus. Das Turnier schien einen ähnlichen Verlauf zu nehmen, wie im Jahr zuvor. Für Spieth lief alles nach Plan. Doch plötzlich folgten an der 10 und 11 je ein Bogey, bevor der junge Shootingstar an der 12 mit einem Quadruple Bogey seine Titelverteidigung verspielte.

Die 12 wurde zum Verhängnis für Spieth

An der 12, einem Par 3, verzog Spieth seinen Abschlag kurz rechts ins Wasser. Eigentlich noch kein Drama: Pitcht, Put, Bogey, Mund abwischen, weitermachen. Doch dann kam der eigentlich schlimmste Schlag des Spiels. Aus der Dropingzone fettete er den Pitch, der ohne jede Chance das Grün zu treffen erneut im Wasser landete. Logischerweise war dann der zweite Pitch viel zu lang („bloß nicht nochmal ins Wasser“) und landete im Bunker. Bunkerschlag, Putt und Jordan musste die 7 auf seiner Scorekarte notieren. Zeitgleich spielteanny Willet an der 14 ein Birdie und lag plötzlich mit 3 Schlägen in Führung.

Es sollte nicht mehr reichen

Wer nun dachte, dass der erst 22-Jährige Spieth in sich zusammenfallen würde, täuschte sich. Plötzlich spielte er wieder das Golf, was man von ihm gewohnt ist und erarbeitete sich tatsächlich noch Chancen, um Willet zumindest ins Stechen zu zwingen. Doch letztlich reichte es dann doch nicht ganz und ein sichtlich geschaffter Jordan Spieth musste sich am Ende geschlagen geben.

Wie kann das nun sein, dass die Nummer 2 der Welt, ein Weltklasse-Golfer also, auf einmal so einbricht? Vor ein paar Jahren mussten wir das bereits bei Rory McIlroy miterleben, der mit großem Vorsprung in die letzte Runde ging und auch völlig den Faden verlor.

So erklärt Spieth seinen Einbruch

Bemerkenswerterweise hatte Spieth bereits nach der Runde eine Erklärung für seinen Einbruch. Im Interview analysierte er, dass er nach den 4 Birdies in Folge dachte, dass er jetzt das Ganze ja nur noch „nach Hause“ bringen müsste. Somit wich er von seinem eigentlichen Spielplan ab und spielte eher defensiv, was nicht funktionierte. Er ließ sich außerdem zu sehr von den beiden Bogeys auf der 10 und der 11 runterziehen, anstatt einfach auf das Leaderboard zu schauen und es positiv zu sehen, dass er immer noch zwei Schläge Vorsprung hatte. Abgesehen davon, dass man ihm auch ansah, wie fertig er war, kommentierte er die Situation mit „yeah, that’s tough“.

Dass ein Spieler in seinem Alter bereits in der Lage ist kurz nach so einem Spiel das Ganze realistisch und zu analysieren, zeigt, was für ein großer Spieler er ist. Es ist davon auszugehen, dass dieses Turnier ihn nicht zurückwerfen wird – eher im Gegenteil – und wir hoffentlich noch viele Jahre in den Genuss seines tollen Spiels kommen dürfen.

Herzlichen Glückwunsch Denny Willet

Die Glückwünsche dieses Jahr gehen aber nun an Danny Willet, der das Grüne Jacket für seinen gerade mal ein paar Tage vorher geborenen Sohn gewann. Auch als er realisierte, dass er unerwartet plötzlich in Führung lag, blieb er nervenstark. Nicht zuletzt der zweite Schlag an der 18, der zugegebenermaßen auch mit ein bisschen Glück so nah an die Fahne sprang, zeigte seine Qualitäten als Champion.

Dieses Masters hat mal wieder gezeigt, dass es sich lohnt, niemals aufzugeben und immer an sich zu glauben. Und: dass es meistens nicht von Vorteil ist, eine defensive Strategie zu fahren. Das Masters hat erneut eine tolle Geschichte parat gehabt – wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.