(Un)Sinn des FedExCups

Der FedExCup 2014 ist zu Ende und der Sieger steht fest: Billy Horschel. Bevor ich darauf aber näher eingehe, möchte ich mich erstmal noch der deutschen Übertragung widmen.

Matheunterricht für Sky-Moderatoren

Leider hat es sky mal wieder nicht geschafft, das Ganze im Sinne des FedExCups spannend zu moderieren, zumal es diesmal wirklich einfach gewesen wäre, mögliche Szenarien auszurechnen. Nachdem Rory sich ja dann doch recht schnell verabschiedet hatte, wurde das Duell zwischen Horschel und Furyk gefeiert ohne auch nur ein Mal zu erwähnen, dass Jim Furyk ein Turniersieg eben nicht sicher zum Gewinn des FedExCups reichen würde. Wenn Billy Horschel alleiniger Zweiter würde, dann hätte dieser trotzdem den Gesamtsieg inne gehabt. Nein, man muss natürlich erst warten, bis die Amerikaner die Berechnung einblenden und sich dann auch noch leicht darüber belustigen, dass dieser jetzt wieder mit seinen komplizierten Rechnungen kommt. Nun ja, ein guter Moderator muss ja nicht zwangsläufig auch im Matheunterricht aufgepasst haben, aber dann sollen sie ihm halt nen Mathepraktikanten an die Seite stellen. Aber das sollte jetzt heute eigentlich gar nicht das Hauptthema sein (aber ich musste es mal loswerden). Sondern:

Who the f*** is Billy Horschel?

Gut, ganz so extrem ist es nicht, er ist das ganze Jahr über schon auch mal etwas weiter oben auf den Ergebnislisten aufgetaucht, aber er hat auch 7 Cuts nicht geschafft und spielte ansonsten insbesondere bei den Majors und WGCs nur eine untergeordnete Rolle (1 verpasster Cut, keine Top 20 Platzierung). Im Vergleich zu Horschel hat Jim Furyk diese Saison bspw. jeden Cut geschafft und war bei den Major-Turnieren immer unter den Top 15. Somit stellt sich mir die Frage: ist es denn gerechtfertigt, dass jemand gewinnt, der einfach zur Zeit der PlayOffs eine gute Phase hat, aber sonst das ganze Jahr kaum in Erscheinung getreten ist? Ist nicht der Sinn des FedExCups eigentlich einen der besten Spieler der Saison zu küren? Oder soll es wirklich so sein, dass es eben einfach eine kleine Turnierserie für die besten 120 Spieler der Saison ist – Ausgang offen? Dann dürften aber eigentlich die bisherigen Punkte nicht zählen, dann müsste man zu Beginn des Cups einfach von vorne anfangen.

(Un)Sinn?!

Wie man merkt, erschließt sich mir irgendwie der ganze Sinn der Veranstaltung nicht. Angefangen von der merkwürdigen Punktevergabe, bis hin zu dem exorbitant hohen Preisgeld. Wer soll hier eigentlich wofür gekürt werden? Auf der Seite der PGA findet man dazu „…the FedExCup Champion, which distinguishes the one player who not only performs well during the 39-week PGA TOUR Season, but also excels through the pressure of the four-event FedExCup Playoffs.“ (Quelle: http://www.pgatour.com/fedexcup/fedexcup-overview.html). Hmmm, also von der Idee her ist das schon ganz ok, dass diese Turniere schon auch noch eine Rolle spielen sollten, aber dadurch, dass man eben so wahnsinnig viele Punkte für einen Sieg bei den PlayOffs bekommt, gewinnt in erster Linie der, der 4 gute Wochen erwischt – nahezu egal wie gut er vorher war.

Meiner Meinung nach sollte bei den PlayOff Turnieren die gleiche Punktzahl vergeben werden, wie auch bei den „normalen“ Turnieren wegen mir vielleicht wie bei den Majors, um sie aufzuwerten – das erzeugt genauso Druck, aber bevorteilt eben nicht die, die gerade Mal eine gute Phase haben, wohingegen andere, die vielleicht viel mehr Cuts geschafft haben, einfach auch schon ein bisschen müde sind, um jetzt noch bei jedem der Turniere oben mitzuspielen. Die Regelung für das letzte Turnier kann ja gerne so beibehalten werden, so dass nicht von Anfang an schon ein Sieger feststeht, aber es sollten meiner Meinung nach schon die vorne mitspielen, die sich das ganze Jahr über auch vorne gezeigt haben.

Muss es so viel Geld sein?

Alleine mit dem Sieg bei einem der PlayOff Turniere verdient man mehr als 1 Mio USD. Muss man da noch 10 Mio für den Sieger drauflegen? Die, die für das Turnier qualifiziert sind, haben das ganze Jahr schon gut verdient, da sind zwar 10 Mio natürlich schon noch was besonderes, aber den Druck erhöht man damit meines Erachtens nur bei Wenigen. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich wirklich fragen sollte, ob man für die Ausübung eines Sports – welchen auch immer – so viel Geld erhalten sollte. Beim Golf ist es ja nicht mal so, dass die Jungs für spätere Zeiten vorsorgen müssen, da man Golf sehr lange auf hohem Niveau spielen kann. Ich finde, das könnte man an der Stelle von FedEx auch mal überdenken und den Großteil des Geldes vielleicht lieber für andere Zwecke ausgeben oder bpsw. in die eigenen Mitarbeiter investieren.

FedExCup Playoffs – Wie der Kampf um 10 Mio USD abläuft

Am Wochenende geht es los – die letzten 4 Turniere, die Playoffs des FedExCups starten. Rory geht nach seinen letzten Ergebnissen klar als Favorit ins Rennen, von der Punkteverteilung her ist es aber noch ganz schön spannend und das bleibt es auch bis zum Schluss.

Doch der Reihe nach – vielleicht geht es Ihnen ja wie mir: ich bin einfach immer noch verwirrt, ob der vermeintlich merkwürdigen Punkteverteilung am Ende des FedExCups. Und die Sky Moderatoren konnten da bisher auch nicht wirklich Licht ins Dunkel bringen. Daher habe ich mich jetzt endlich mal schlau gemacht und erläutere hier, wie das System funktioniert, damit wir auch alle voller Spannung Martin Kaymer die Daumen drücken können.

Die ersten drei Playoff-Turniere

Beim ersten Playoff „The Barclays“ dürfen die besten 125 Spieler des FedExCups teilnehmen. Es gibt, wie von den meisten anderen Turnieren gewohnt, einen Cut: Die besten 70 Spieler und die geteilten Plätze dürfen am Wochenende noch mitspielen. Bei den Playoffs gibt es aber insgesamt deutlich mehr FedExCup Punkte, als man das von den anderen Turnieren gewohnt ist. Für einen Sieg erhält man hier 2500 Punkte, für einen Major Sieg im Vergleich z. B. nur 600. Das gleiche System gilt für das zweite Playoff Turnier „Deutsche Bank Championship“ mit dem Unterschied, dass hier nur noch die ersten 100 der FedExCup Rangliste teilnehmen dürfen. Die Teilnehmeranzahl reduziert sich für das dritte Turnier (BMW Championship) dann auf 70 Starter, so dass hier dann ein Cut nach 2 Runden entfällt.

Das Finale

Für das Finale „The TOUR Championship by Coca Cola“ qualifizieren sich dann die 30 besten Spieler der FedExCup Rangliste. Teilnehmen kann nach Punkte auch, wer nicht alle Playoffs mitgespielt hat. 1 Turnier darf man nach den Regularien auslassen, läuft aber natürlich Gefahr, dass man durch die deutlich höher erreichbare Punktezahl bei den Playoffs an Boden verliert.
Glücklicherweise wurde die Ausgangsposition für das letzte Turnier 2008 geändert. Früher konnte es passieren, dass bereits vorher schon der Sieger feststand (z. B. Vijay Singh 2008), da er an Punkten uneinholbar vorne lag. Jetzt werden alle bisher gesammelten Punkte gelöscht und jeder Spieler erhält nach seiner bisherigen Platzierung ein Startkontingent an Punkten. Der erste erhält 2.500 Punkte, der 30. und damit Letzte erhält 210 Punkte. So kann theoretisch jeder der 30 Spieler den FedExCup noch gewinnen. Das wird dann unter Umständen ein ganz schönes Gerechne, aber eindeutig ist: gewinnt einer der besten 5, dann hat er in jedem Fall den FedExCup und damit 10 Mio USD gewonnen (eine unfassbare Summe ’nur‘ fürs Golfspielen, aber das ist eine andere Diskussion).

Spannung theoretisch garantiert

Dadurch ist das letzte Turnier jetzt deutlich spannender geworden. Nichtsdestotrotz aber auch unübersichtlich, wenn plötzlich einer „von hinten“ das Feld aufrollt (statt einer von den besten 5, bei denen es eindeutig wäre). Dann geht die Rechnerei los. Umso wichtiger ist es daher, dass die Moderatoren hier einen Überblick bewahren und die Spannung für den Gesamtsieg nicht aus den Augen verlieren. Ich kann mich erinnern, dass ich – vor zwei Jahren glaube ich war es – parallel immer noch den FedExCup Live-Score auf dem Handy laufen hatte, da es einfach versäumt wurde, das Ganze vernünftig am Bildschirm rüberzubringen.

Appell an die Sky Golf Moderatoren

Daher hier mein Appell an die Sky Golf Moderatoren: Bitte haltet die FedExCup Standings im Auge und moderiert das Ganze dann auch entsprechend spannend, damit wir Zuschauer nicht selber noch die Ergebnisse auf anderen Kanälen im Auge behalten müssen. Golf wird ja sonst häufig nicht als spannend wahrgenommen, also nutzt die Chance, so dass die Zuschauer vor lauter Spannung auch noch bis mitten in die Nacht vor dem Fernseher ausharren. Danke 🙂

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/FedEx_Cup
http://www.pgatour.com/fedexcup.html